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Reisebericht zu den Kap Verden: Insel Sao Vicente

Reisezeitraum: 8. bis 18. Juni 2013

Anfang bis Mitte Juni ging es zur Clubtauchfahrt nach Sao Vicente. Diese kleine Insel gehört zu den 13 Kapverdischen Inseln etwa 800 km vor Westafrika. Viele von Euch wissen sicher, wo die Kanaren liegen. Etwa 1800 km weiter südlich davon befinden sich die Kap Verden, welche zu Afrika gehören. Entdeckt wurden die Inseln 1460 von portugiesischen Seefahrern.

Die Anreise von Frankfurt aus war schon abenteuerlich, denn der Wolfgang, Udo, Elvi und ich hätten beinahe unser Flugzeug nach Lissabon verpasst. Aber da zeigte sich doch wie fit die TCMler sind. Ein gesperrtes Terminal, zweimal verlaufen, zweimal Sicherheitskontrolle und noch 2 Minuten bis zum Abflug: Na wenn das kein Stress war! Nach zahlreichen Lautsprecherdurchsagen mit unseren Namen, erreichten wir die Maschine durchgeschwitzt. Alle starrten uns an: DA SIND SIE ENDLICH !!!

Egal, Schwamm drüber.

In Lissabon:

In Lissabon hatten wir 6 Stunden Aufenthalt, welche wir für Udos Idee nutzten, mit der U-Bahn (die neu eröffnete Airport-Metro) in die Stadt zu fahren. Das Handgepäck ließen wir im Schließfach des Flughafens.

Lissabon ist riesig und liegt an einer bis in die Stadt reichenden Bucht direkt am Atlantik.

Was mich überrascht hat ist, dass hier sehr viele Immobilien stark bau- und sanierungsfällig sind. In einigen alten schönen Häusern leben mehr Tauben als Menschen, weil offenbar das Geld für Reparaturen fehlt. Für Marmorpflasterung in den Fußgängerzonen hat es aber noch gereicht. Nach Frühstück und vielen Kilometern durch die Innenstadt ging es weiter zum vierstündigen Flug nach Sao Vicente.

20130608 Crew 20130608 Wellen1 20130608 Wellen2

Cabo Verde: Die Unterkunft, die Menschen, Restaurants, Taxis

 Die Apartmentanlage lag nur etwa 1 km vom Flughafen entfernt. Als wir die Balkontür öffneten, sahen und hörten wir die kräftige kachelnde Brandung des Atlantiks, denn die große, moderne Anlage lag direkt am Strand. Die Zimmer waren sehr schön und komfortabel.

20130608 Sea Food RiceGleich am ersten Abend gab es im Hotelrestaurant das einmal wöchentlich stattfindende Barbecue. Für die ausgehungerten Deutschen genau das richtige: Ananas vom Grillspieß, das kannte ich noch nicht. Den ganzen Abend verwöhnte uns die Küche mit einheimischen Leckereien meistens vom besagten Grillspieß. Wolfgang kümmerte sich gerne um den Getränkenachschub, nicht nur an diesem Abend.

Der nächste Tag war Sonntag und somit noch kein Tauchen angesagt. Wir relaxten am Strand und schwammen in den 24 Grad warmen, zwei bis drei Meter hohen Wellen.

Nachmittags dann fuhren wir in die etwa 13 km entfernte Hauptstadt Mindelo. Die Hotel-Anlage 'Froya Branca' hatte mehrmals am Tage einen kostenlosen Bus-Shuttle Service zu bieten. Ein Taxi dagegen kostete 1000 Escudos, etwa 9 Euro.

20130608 Mindelo 20130608 Mindelo Markt 20130608 Mindelo Hafen
Die Stadt Die Markthalle Der Hafen

Mindelo hat rund 70.000 Einwohner und ist eine Hafenstadt. Hier kann man allesmögliche einkaufen. Vom tollen Souvenirlädchen über den Obst und Gemüsemarkt bis hin zu den am Hafen sitzenden Fischern die den 'Catch of the Day' in der Hand anboten, ist alles da.

In der Innenstadt gibt es auch einen täglich geöffneten Flohmarkt. Hier verkaufen die unterschiedlichsten Anbieter, mal freundlich und eher zurückhaltend, mal sehr aufdringlich indem uns der Schmuck förmlich um den Hals geworfen wurde.

Beeindruckt hat mich ein Mann, der mir zwei Armbänder mit dem Namen meiner Töchter anfertigte. Er ist schnell nach Hause gelaufen, um sein Strickteil aus Holz zu holen, danach wurden Hände und Füße gewaschen, und ran an die einstündige Arbeit. Wolfgang und ich durften zusehen. Der Cabo Verder sprach sogar deutsch, weil er Medizin in der Schweiz studiert hatte. Als er fertig war, wollte er 600 Escudos haben, also etwa 6 Euro.

Für die erbrachte Leistung legte ich Ihm 10 € hin, was für mich gerechtfertigt erschien.

Der Verkäufer konnte es kaum fassen, so viel Trinkgeld zu erhalten. Das ist Ihm noch nie passiert, sagte er. Während Wolfgang und ich uns noch diverse Kleinigkeiten zusätzlich aussuchen durften, erzählte uns der Mann, dass 60 Euro ein durchschnittliches Monatseinkommen hierzulande sei. Er war vor Freude völlig außer sich, so dass die Nachbarverkäufer aufmerksam auf uns weißhäutige Kunden wurden, und baten uns auch von Ihnen Sachen zu kaufen.

Abends gingen wir dann Essen, wo weiß ich nicht mehr. Aber es war jedenfalls sehr preiswert und verdammt lecker. Was als Speiselokal von außen teilweise bescheiden aussieht, entpuppt sich beim Dinieren als echter Geheimtipp.

Auch die Portionen sind überall üppig und geschmackvoll, vieles ist sogar aus eigener Fertigung wie z.B. beim Schweden gegenüber unserer Hotel- Anlage, wo wir oft den Tag ausklingen ließen. Also verhungern und verdursten muss man hier bestimmt nicht. Auch den Tipps aus den Reiseführern kann man vertrauen.

In Mindelo sollte man sich nicht allzu weit aus der Innenstadt, also Touristenzone entfernen.

In den umliegenden Wohnvierteln herrscht zum Teil bittere Armut. Abends und nachts kommen Raubüberfälle auf unvorsichtige Touristen vor. Ich schätze die Arbeitslosigkeit auf 50 % der Bevölkerung. Wer als Taxifahrer oder im Hotel arbeitet, kann sich überglücklich schätzen. Diesen Menschen kann man auch vertrauen, sie bringen einem Touristen wie mir sogar den vergessenen Rucksack hinterher. Hätte es die Kellnerin aus dem Restaurant unterlassen, ich hätte es erst am nächsten Morgen gemerkt.

Taxifahren ist sehr abenteuerlich, die Autos sind meist aus Europa eingeführte Gebrauchtwagen. Vor allem Mercedes, VW und japanische Modelle sind beliebt.

20130608 Taxi

Die Autos sind aber größtenteils völlig defekt. Es leuchten alle möglichen roten Warnlampen im Cockpit, oder der Fahrer bremst mit der Handbremse, weil die normale Fußbremse nicht funktioniert. Auch polternde Achsen, Lenkspiele von einer halben Umdrehung, fehlende Radmuttern und während der Fahrt abfallende Teile sind keine Seltenheit.
Auf völlig gerader Strasse

Worauf aber die Menschen hier alle besonders achten, ist auf Ihre Kleidung und ein sehr gepflegtes Äußeres. Ja wirklich, wenn ich mit meiner labberigen kurzen Hose und TCM-T-Shirt in die Stadt ging, kam ich mir schon mal vor wie Nachbars Lumpi.

Das Klima:

Viel Sonne, fast kein Regen ein halbes Jahr lang. Es ist nicht ganz so heiß wie man vermutet, die Tagestemperaturen liegen um 26° C, nachts um 20° C, das Wasser hat 24° C. Ähnlich wie auf den Kanarischen Inseln weht auch hier ein ständiger steifer Wind. Er kommt aus nordöstlicher Richtung. Die Insel ist sehr kahl, nur einzelne Gräser und Büsche trotzen dem trockenen Klima. Morgens ist es oft etwas bewölkt, die Sonne steht mittags senkrecht, denn wir befinden uns 15° nördlich vom Äquator. Zwischen Sommer und Winter gibt es kaum Unterschiede. Regen fällt im Herbst in geringen Mengen.

 

Das Tauchen:

20130608 Tauchbasis  20130608 Boot  20130608 Wolfgang
Die Basis  Boote wassern  Auf zum Dive spot

 Integriert in die Hotel-Anlage war auch die PADI-Tauchbasis unter portugiesischer Führung. Nach der etwas bürokratischen Anmeldung in der Basis (ein Häuschen aus schwarzen Steinen) wurde uns in Englisch erklärt, dass wir Haie sehen werden, und eine Höhle voller Stachelrochen, vielleicht auch einen Frog Fish.

 Die Ausrüstung für alle Tauchgäste wurde immer vorher in der Basis von den Guides zusammengebaut. Die Tauchguides Claudio und Pedro orderten aus dem Nachbarort 'Sao Pedro' ein Fischerboot zum Tauchen. Es wurde mit der nächsten passenden Welle ans Ufer gefahren und alle Hände waren gefragt beim hinaufziehen auf den Strand. Das etwa 8 Meter lange alte Holzboot musste soweit auf den Strand gezogen werden, dass es sicher vor den Wellen war.

Nachdem die Ausrüstung eingeladen war, mussten wieder Tauchguides, Skipper und die Taucher selbst mit anpacken und das Boot ins Wasser schieben. Die Damen durften schon vorher Platz nehmen. Das war anstrengend, denn immerhin musste erst mal die Brandung durchquert werden. Wenn dann auch noch der schon sichtlich in die Jahre gekommene 10-PS-Außenbordmotor nicht ansprang, war bei den starken Wellen schon mal festhalten angesagt.

Alle Tauchgänge waren Bootstauchgänge. Wir fuhren an die unterschiedlichsten Plätze an der Südwestküste der Insel.

Beim Tauchen gab es stets Sichtweiten um 25 Meter oder mehr. Bei fast jedem Tauchgang sahen wir Ammenhaie von beachtlicher Größe, der kleinste war 1,5 Meter, der größte über drei Meter lang (Udo hat es gemessen). Diese Haie sind friedliche Zeitgenossen, welche tagsüber unter Felsen oder in Höhlen auf dem Sandboden vor sich hin dösen. Nachts gehen sie auf die Jagd. Die Tiere lassen sich aus etwa ein bis zwei Meter Entfernung fotografieren. Einmal sahen wir zwei nebeneinander liegen, wobei das größere Tier sichtlich trächtig war. Der Tauchguide erklärte, dass sich das Weibchen nicht von der Höhle entfernen werde, bis das Jungtier zur Welt kommt. Gefüttert wird es derzeit vom Männchen.

20130608 Ammenhai1 20130608 Ammenhaie2 20130608 Ammenhaie3
1 sec bevor der Hai losschwimmt

Auch sahen wir bei einigen Tauchgängen Anglerfische (englisch Frog Fish oder lateinisch "Antennariidae"), in Schwarz, in Gelb und in Grün, was schon etwas besonderes ist.

Unter Wasser wimmelte es von bunten Fischschwärmen. Häufig mussten erst irgendwelche Meeresbewohner verscheucht werden, um mal ein Foto von Muscheln oder Seesternen zu bekommen. Der schönste Fisch, den ich bisher noch nirgendswo sah, war der Passaro Galhato ein etwa 30 bis 40 cm langer Fisch der bei Annäherung seine Flügel ausbreitete. Der Außenrand der Flügel war Blau. Während er langsam wegschwamm, gab er laute Brummtöne von sich, die man sogar spüren konnte. Interessant war auch eine Gruppe von 6 Tieren dieser Art.

20130608 Fluegelfisch 20130608 Frogfisch 20130608 Rochen
 Passaro Galhato  Frog fish  Rochen

Wunderschön waren auch die Juwelenzackenbarsche, aber nicht besonders groß. Dafür aber waren die Igelfische (englisch: balloon fish; lateinisch: Dicotylichthys punctulatus) mit einem ET-ähnlichen Gesicht recht stattlich.

20130608 Hoehle

Es gibt einige Unterwasser-Höhlen, welche nicht immer einfach zu betauchen sind. Grund dafür ist die in bis zu 10 Meter Tiefe reichende Wellenkraft der Oberflächenbrandung.

In einer solchen Höhle befanden sich auffallend viele Stachelrochen.

Strömung gibt es beim Tauchen fast überall, an einigen Landzungen auch recht stark, so dass wir einen Tauchgang sogar abbrechen mussten. Die Strömung zog uns in diesem Fall auf das offene Meer hinaus, nur in Felsspalten konnten wir uns festhalten. Der Tauchguide hatte den Tauchgang schon vor uns abgebrochen und suchte uns vom Boot aus.

20130608 Snapper

 Ruhe bewahren musste vor allem Tauchguide Pedro, wenn er sein Finimeter kontrollierte. Nach Abfrage an die TCM Master Power Diver stellte er fest, dass er auf Reserve war und wir noch gut 100 bar in den Flaschen hatten.

Als er dann am nächsten Tag mit zwei 10 Liter Flaschen tauchte, konnten wir uns das Grinsen trotz über das Boot peitschender Wellen nicht verkneifen. Gegen gut ausgebildete TCM-Seals hatte er aber luftmäßig keine Chance. Er hat auch die zweite Flasche noch halb leer geatmet, während wir mit 50 bar nach 70 min auftauchten.

Während der Tauchgänge verblieb das Holzboot immer in der Nähe, was der Skipper zum Angeln ausnutzte. Nach manchen Tauchgängen dachte sich der ein oder andere von uns: "Nanu diese Fische da unten im Schiffsrumpf haben wir doch eben im Meer gesehen?".

Die Tauchgänge vollzogen sich meist bis max. 28 Meter, da die Felsen überall zunächst steil, dann aber waagerecht Sandboden weiter verliefen.

Zum Ende des Urlaubs gab es doch noch einen Wracktauchgang. Vom Hafen Mindelo aus ging es mit einem Holzboot los. Dieses war wie die vorherigen nicht dicht. Wolfgang aber sorgte dafür, dass wir nicht sanken, indem er sich als Lenzpumpe betätigte.

Das Wrack lag vor der Bucht von Mindelo und etwa 14 Meter tief. Das gut 150 Meter lange Frachtschiff war an einigen Stellen schon stark zusammengefallen, oder bunt mit Korallen bewachsen.

Wir tauchten auch hinein, was ich angesichts des ersichtlichen Alters des Wracks für nicht ungefährlich hielt.

 

Das Fazit:

Warmes angenehmes Klima, sehr leckeres Essen, eine etwas chaotische Tauchbasis, tolle Unterwasserwelt, dazu ein sehr lebensfroher Wolfgang. Ja, so könnte man das zusammenfassen.

Der Tipp:

Auf der Nachbarinsel Santo Antao soll nächstes Jahr eine Tauchbasis eröffnen. Sollte man die mal checken??

 

Simon Held

   
© by Tauchsportclub Münster e.V.