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Wracktauchen in Camaret sur Mer


Club Leo Lagrange

Camaret 2000 01 Ende dieses Sommers fand wieder die Tour in die Bretagne statt. In wechselnden Besetzungen ist sie seit 1995 fester Bestandteil des Clublebens im TCM. Das einzige Ziel dieser Reise besteht darin, im Atlantik vor Camaret-sur-Mer und Brest möglichst viele Wracks zu betauchen. Allerdings wurde dieses Jahr die Anreise anders gestaltet. In den Jahren zuvor hatten wir stets die riesige Klosterburg des Mont-Saint-Michel als Zwischenstop und Kulturtrip der ganzen Reise genutzt.

Diesmal legten wir die Anreise nördlicher an und hatten ein etwas lebhafteres Thema als die Steine des Mont. Der Weg führte uns über Antwerpen, Le Havre und Caen an die Küste der Normandie. Die Orte des D-Day und die Schlacht um die Normandie waren das Ziel unseres Zwischenstops. Nach einer Übernachtung direkt am Strand von Sword Beach (ein sehr flacher Abschnitt) ging es die Küste entlang nach Longues-sur-Mer.

Hier steht die einzige Küstenbatterie, in der die Kanonen noch erhalten sind. Von dort ging der Weg oben die Steilküste entlang nach Arromanches-les-Bains. Von den Klippen aus kann man noch die Reste des künstlichen Hafens sehen, den die Alliierten am Gold Beach anlegten, um die Versorgung der gelandeten Truppen zu gewährleisten. Heute ragen noch einzelne Pontons des künstlichen Hafenbeckens aus dem Wasser. Schließlich erreichten wir Omaha-Beach. Camaret 2000 02

Dieser Abschnitt ist einer der berüchtigsten der gesamte Landung gewesen. Als ich den riesigen Strand und die dahinter leicht ansteigende Böschung im Licht der Morgensonne sah, konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass sich hier Szenen wie im Spielfilm "Der Soldat James Ryan" abgespielt haben sollten. Auch das hier tausende Soldaten innerhalb weniger Stunden im Geschosshagel starben, bevor sie überhaupt die Oberkante dieser Böschung erreichten, war für mich vor Ort kaum vorstellbar, so friedlich und gepflegt erschien dieser Strandabschnitt.

Camaret 2000 03 Auch das hier tausende Soldaten innerhalb weniger Stunden im Geschosshagel starben, bevor sie überhaupt die Oberkante dieser Böschung erreichten, war für mich vor Ort kaum vorstellbar, so friedlich und gepflegt erschien dieser Strandabschnitt. Ursache für den jetzigen Zustand ist aber auch der äußerst gepflegte amerikanische Friedhof von Colleville-sur-Mer.
Mit 9.000 weissen Kreuzen bzw. Davidsternen auf grünem Rasen, die sich stumm über ein riesiges Areal verteilen, liegt er direkt oberhalb der Landungszone von Omaha Beach. Hier wurde auch die Anfangssequenz des Films "Der Soldat James Ryan" gedreht. Überhaupt empfehle ich vor einem Besuch diese Ortes sich diesen Film anzuschauen. Erst dann kann man die Dramatik dieses Platzes begreifen. Zum Abschnitt Omaha Beach gehört noch der Point du Hoc. Camaret 2000 04
Camaret 2000 05 Es handelt sich um einen Felsvorsprung, auf dem sich eine Befestigungsanlage der deutschen Verteidiger befand. Das Bunkersystem ist heute zu besichtigen. Der Point du Hoc ist einer der blutigsten Orte der gesamten Landung gewesen und noch heute mit Bombenkratern übersäht. Leider hatten wir für diesen Trip keine Zeit mehr, da wir noch nach Bayeux ins Musée Mémorial de la Bataille de Normandie wollten. Sollte ich aber noch mal die Gelegenheit erhalten, werde ich ihn mir aber unbedingt anschauen. Vor dem Museum in Bayeux befinden sich ein paar Panzer und im Gebäude sind die verschiedenen an der Landung beteiligten Einheiten durch Uniformen und Waffen vertreten.

Es wird sehr detailverliebt über Zeitungsausschnitte bis hin zur Sammlung von Gewehrpatronen die Geschichte der Landung dokumentiert. Leider war die Ausstellung nur in französich und teilweise in englisch beschrieben, so dass der Besuch ziemlich anstrengend war. Außerdem hat mich die Masse der Exponate ziemlich erschlagen. Einen roten Faden, der durch die Ausstellung führte, habe ich jedenfalls nicht erkannt. So schlenderte ich am Ende nur noch durch die Räume, weil ich die Schnauze von dem ganzen Kram ziemlich voll hatte.

Von dort fuhren wir dann zum Club Leo Lagrange mit seiner Tauchbasis im Hafengebiet von Camaret-sur-Mer weiter. Die Tauchbasis ist sehr groß. Sie verfügt über 5 eigene Tauchschiffe in Kuttergröße. "Unser" Tauchschiff war die Eclat. Tauchen heißt 2 Bootstauchgänge täglich von Montag bis Freitag und 1 Tauchgang am Samstag, dem Tag der Abreise. Sämtliche Bootsfahrten sind im Wochenpreis enthalten. Man muß noch nicht einmal eine eigene Ausrüstung mitbringen, denn die Basis verfügt über 200 Komplettausrüstungen, deren Nutzung ebenfalls im Preis enthalten ist. Camaret 2000 06

Das Frühstück hat sich im Vergleich der letzten Jahre schon erheblich gebessert. Die Mittag- und Abendessen waren stets ausgezeichnet. Man merkt, das Mittag- und Abendessen in Frankreich einen besonderen Stellenwert haben. Für Leute, die nicht nur tauchen wollen, besteht auch die Möglichkeit, statt eines Tauchgangs zu segeln oder zu surfen. Auch hier wird das komplette Material gestellt und ist im Preis enthalten. Die Bretagne ist bekannt für die Schwierigkeit ihres Tauchgebiets. Das beginnt bei den sich rasch ändernden Witterungsbedingungen.

Camaret 2000 08 Weiterhin herrschen zum Teil heftige Strömungen, die ihre Ursache im recht großen Tidenhub haben. So beträgt der Unterschied zwischen Ebbe und Flut ca. 7 m. Um so wichtiger ist es fürs Wracktauchen, einen Zeitraum auszusuchen, wo aufgrund der Mondphase der Tidenhub und Koeffizient möglichst gering ist. Diese Bedingungen liegen aber maximal für eine zusammenhängende Woche vor. Außerdem muß man noch die örtlichen Besonderheiten beachten. Der Goulet de Brest ist eine Meerenge. Hinter ihr liegt ein riesiges Deltagebiet, in das verschieden Flüsse münden und das bei jedem Gezeitenwechsel durch den Goulet voll- bzw. leerläuft. Im engen Goulet führt dies zu sehr starken Strömungen. Je nach Tauchplatz kann es zudem zu erheblichen Unterschieden beim Zeitpunkt des Wechsels von Ebbe zu Flut und umgekehrt kommen.

Auch kann die Strömung nach dem Gezeitenstillstand je nach Tauchplatz sehr plötzlich und heftig einsetzen. Man ist daher gut beraten, sich nicht allzuweit vom Anker zu entfernen, Deckung zu suchen und sich den Rückweg genau zu merken. Ein freier Aufstieg, auch nur zur kurzen Orientierung, ist meistens unmöglich, wenn man nicht abgetrieben werden will. Außerdem kommt da noch die Tiefe der jeweiligen Wracks, die ein Auftauchen während des Tauchgangs verbietet. Allerdings sind die Bedingungen in einer Woche mit niedrigem Koeffizienten erheblich besser. Man muss aber genau den Gezeitenwechsel abpassen.

Der Goulet de Brest ist auch die Zufahrt zum Hafen von Brest. Dieser ist der älteste Kriegshafen Frankreichs am Atlantik. Dadurch gibt es eine Vielzahl von Wracks aus unterschiedlichen Epochen. Das diesjährige Tauchen vor Camaret erwies sich als nicht so gut wie der letzte Mal. Das Wetter war nicht so sonnig, sondern mehr bewölkt. Zudem zeigte sich die Sicht unter Wasser am Anfang der Woche ziemlich bescheiden, so dass der Spruch aufkam, die Leute in Brest hätten wohl zu stark geschissen. Camaret 2000 07

Die eigentliche Ursache für die vielen Schwebstoffe war aber wohl das Wetter der Vorwoche gewesen. So soll es ziemlich geschüttet haben. Die Flüsse hatten dadurch viel Sediment ins Seengebiet hineingeschwemmt und es dauerte einfach, bis diese Suppe durch Ebbe und Flut endlich herausgeschaukelt wurde. Insgesamt kamen wir diesmal nur auf 6, statt auf die 11 Wracks des letzten Jahres. Aber das hatte auch noch eine andere Ursache, aber dazu später mehr. Die Höhepunkte des Wracktauchens wie die "Finistere", einem alten Tonnenleger mit riesigem Kran, standen aber auf dem Programm. Auch der Tauchgang zur "Swansea Vale" war wie üblich sehr gut, obwohl es dort aufgrund der Bewölkung schon recht dunkel war. Von der fotografischen Ausbeute her war es daher auch eine mittlere Katastrophe. An Tieren konnte man die übliche Bandbreite von Lippfischen, Conger, Tacos bis zu Sepien sehen.

Camaret 2000 09 An den Wracks wurde dieses Jahr überhaupt nicht mehr geankert. Man setzte nur noch Markierungsbojen, an denen abgetaucht werden musste. Auf dem Boot haben wir uns dieses Jahr mehr im Heck aufgehalten. So hatten wir mit dem Bergen der Boje wenig zu tun, dafür aber mit dem Handling der Bootsleiter, die für Tauchgänge extra eingehängt werden musste. Auch diese Jahr gestaltete sich die Rückfahrt mit dem Boot bei Süßigkeiten oder Rotwein, Camenbert und Baguette meist recht angenehm.
Allerdings hatten Kilpi und ich dieses Jahr ziemlich Pech. An einem plötzlich herauslugenden Nagel rissen wir uns beide die Tauchanzüge auf. Fließendes Wasser im Anzug bei 17°C Wassertemperatur ist keine angenehme Geschichte. Ich war jedesmal froh, wenn ich zitternd wieder an Bord war. Kilpi musste sogar den Anzug wechseln. Sein Trocki benötigt eine Grossreparatur. Camaret 2000 10
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Sepia Conger

Natürlich haben wir nicht nur getaucht. Die Aktivitäten beschränkten sich aber diesmal mehr aufs Relaxen an den Klippen hoch über dem Meer.

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Allerdings "verdankten" wir diese Trägheit einem Umstand, der uns während des Urlaubs ereilte, die Streikfreudigkeit der Franzosen. Mitten in der Woche erfuhren wir die Überraschung. Es gab keinen Sprit mehr, da die LKW-Fahrer wegen der hohen Dieselpreise streikten. Daher versuchten wir den Tankinhalt unserer Fahrzeuge zu schonen, um noch möglichst weit bis zur belgischen Grenze zu kommen. Auf den letzten Tauchgang am Samstag wollten wir dann verzichten, um uns gegenseitig per Schleppstange ziehend nach Belgien durchzuschlagen. Wahrscheinlich würde so unser Sprit am Längsten reichen. Kurz vor dem Abreisetag fand sich in Camaret aber dann doch noch eine versteckte Tankstelle, die Super hatte. Diesel war aber total ausverkauft, da die Franzosen Diesel fahren und nur die Touris Benzin und Super benötigen. Nun kamen aber noch Probleme mit Strassenblockaden dazu. Na prima, wir überlegten schon, über Brest per Fähre nach England zu flüchten, um nach Hause zu kommen. Dann entspannte sich jedoch am Freitag die Situation. So traten wir samstags mit einem vollgetankten Wagen die Heimreise an, während das andere Dieselfahrzeug zu 1/3 leer war. Unterwegs gab es immer wieder die Möglichkeit 20 bis 25 L Benzin oder Super nachzukaufen. Diesel war jedoch überhaupt nicht zu erhalten. So wurde ein Wagen immer nachgetankt, während der Diesel immer leerer wurde. Kurz auf der Höhe des Mont-Saint-Michel kam dann noch eine Strassenblockade hinzu, die uns dazu zwang, die Normandie auf Schleichwegen zu durchqueren. Wir durchfuhren kleine Orte, an Kreuzungen Gendamerie mit Pumpguns in den Händen, um weitere Blockaden der Bauern zu verhindern. Doch hatte dieser gezwungene Ausflug in die Pampa auch seine gute Seite. Wir kamen zwar streckenmäßig auf den engen Strässchen kaum voran, erwischten aber unterhalb von Caen eine Tankstelle, die nach dem beendeten Streik schon wieder mit Sprit beliefert worden war. So konnte das Dieselfahrzeug endlich vollgetankt werden. Danach machten wir an einem zuvor passiertem See bis zum Abend Pause und relaxten in der Sonne. In der Hoffnung, dass die Strassenblockaden nachts nicht aufrecht erhalten wurden, setzten wir die Heimfahrt dann fort. Wir fuhren nur noch Landstrassen und kamen ohne weitere Blockaden aus Frankreich heraus. Nur Zeit kostete diese Aktion. Als wir dann um 6 h morgens kurz vor Dülmen unser Ziel schon vor Augen hatten, erwischte es uns noch völlig unerwartet. Massenkarambolage kurz vor der Ausfahrt Dülmen unmittelbar vor uns, Autobahn gesperrt und wir kommen nicht mehr herunter. Ständig Blaulicht, Abschleppautos und wir hungrig und hundemüde zwischen wartenden Autos. Sch... Heimfahrt. Nach diesen Erlebnissen hielt sich die Begeisterung verständlicherweise in Grenzen. Da kann es nächstes Jahr eigentlich nur wieder besser werden. Von blockierten Fahrbahnen - von wem auch immer - haben wir jedoch die Schnauze voll.
    

Rolf

   
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