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Am Limit

Wracktauchen in Hyère 2003

Hyere1 September/Oktober 2003 ging es nach Hyère. Wracktauchen bei Hansi Hähner in der Tauchbasis DivinGiens (www.divingiens.com) war angesagt.
Als Wrackfan hatten mich Namen wie "Le Grec", "Donator", "Togo" und "Rubis" mit geradezu magischer Anziehungskraft nach Hyère gelockt. Bei den ersten beiden Wracks handelt es sich um Frachter. Sie liegen in Nähe des Hafens von La Tour Fondue, wo Hansis Schiff die "Ar´Guevel" liegt.
Ar´Guevel

Hier ist auch der Heimathafen der "Odyssée" und "Britannic". Sie gehören zur französischen Tauchbasis "Espace Mer", mit der Hansi kooperiert. Für die Wracks der "Togo" und "Rubis" muss man zum KonTiki Beach bei St. Tropez ca. 60 km fahren. Die "Togo" ist ein Frachtschiff, die "Rubis ein französisches U-Boot aus dem 2. Weltkrieg.

  Donator        
Le Grec        
Rubis           
Togo            
Baujahr 1931 1912 1931 1882
Länge 78 m 54 m 66 m 76 m
Breite 11,9 m 8,6 m   10,4 m
Verdrängung  
1698 t 808 t 762 t 1640 t
gesunken 10.11.1945
03.12.1945 31.01.1958 12.05.1918
Tiefe min. 35 m 35 m 34 m 45 m
Tiefe max. 51 m 48 m 41 m 60 m
Bug 48 m 48 m 41 m 55 m
Deck 40 m 40 m 36 m 47 m
Schraube 51 m 46 m 41 m 60 m
Hyere2 "Donator": Sie wurde 1931 in Bergen, Norwegen erbaut. Zuletzt im Besitz der Fa. Schiaffino trug sie eigentlich den Namen "Prosper Schiaffino". Am 10.11.1945 auf dem Rückweg von Algerien nach Nizza mit einer Ladung Wein fuhr das Schiff auf eine Mine. Zu dieser Zeit waren noch nicht alle Minen entdeckt und geräumt worden. Ein englisches Marineflugzeug auf Erkundungsflug beobachtete zufällig das Unglück und alarmierte die Hilfskräfte, die noch 27 von 29 Leuten retten konnten.
Steuerrad der "Donator

Der Ab- und Aufstieg erfolgt normalerweise an einer Leine, die am Wrack befestigt ist. Die Schraube befindet sich auf ca. 51m Tiefe, der abgerissene Bug liegt auf ca. 48m. Im Bereich des fehlenden Bugteils am Rumpf kann man in das Innere des Schiffes sehen. Hier entdeckt man auch öfter Muränen und Zackenbarsche. Man beginnt den Tauchgang am besten am fehlenden Bugteil des Rumpfes oder Heck und zwar an der vor der Strömung geschützten Seite. Der Rumpf des Schiffes selbst ist mit Gorgonien übersäht. Das Deck befindet sich auf 40m. Man kann in dieser Tiefe gut die Aufbauten und das Steuerrad betauchen. Leider ist der Mast, das alte Wahrzeichen des Wracks, in der Zwischenzeit umgestürzt.

"Le Grec": Der zweite Frachter mit einer Länge von 54m wurde 1912 in England erbaut und trug eigentlich den Namen "Sagona". Das Boot lief am 03.12.1945, nur 3 Wochen nach der "Donator" auf eine Seemine und versank innerhalb von Minuten. Die beiden Schiffe stehen nur wenige hundert Meter entfernt aufrecht auf dem Sandgrund. Trotzdem kann man sie aufgrund der Tiefe und oft starker Strömung nicht beide in einem Tauchgang betauchen. Hyere3
Le Greg

Das versunkene Schiff geriet in der Nachkriegszeit schnell in Vergessenheit. Da man bei den ersten Tauchgängen im Wrack Papiere in griechischer Sprache fand, erhielt das Schiff in Taucherkreisen den Namen "Le Grec" (Der Grieche).

Hyere4 Schraube+Ruder der "Le Greg"Der Ab- und Aufstieg erfolgt wie an der "Donator" an einer Leine. Man beginnt den Tauchgang am besten vorne am Rumpf oder am Heck an der vor der Strömung geschützten Seite. Beginnt man vorne am fehlenden Bug, erscheint nach einer Strecke von 40m das Heck mit der großen Schraube (lohnenswert!) des Frachters. Beide Seiten des Rumpfes sind dicht mit Gorgonien bewachsen. Auf dem Rückweg taucht man entlang der Aufbauten auf einer Tiefe von ca. 40m zurück zur Leine. Auf dem Weg sieht man oft große Fischschwärme und hat einen Einblick in die Frachträume und Aufbauten des Schiffes.
Le Greg

Das Wrack besteht aus 2 Teilen. Der abgesprengte Bugbereich liegt ca. 60m vom Rumpf entfernt in 45° Schräglage. Im Bereich des abgesprengten Bugs halten sich oft Zackenbarsche auf, die max. Tiefe des Sandgrundes beträgt hier ca. 47m-48m. Will man ihn betauchen, muss man aufgrund Tiefe und Strömung einen gesonderten Tauchgang einplanen.
Aufgrund der häufig starken Strömungen und der Tiefe gelten Tauchgänge an der "Donator" und "Le Grec" als schwierig.

"Rubis": Das U-Boot wurde 1931 als Minenleger gebaut. Es gehört zur Saphir-Klasse. Bei der Kapitulation Frankreichs vor Hitler-Deutschland befand es sich in Großbritannien. Von diesem Moment an kämpfte es als eines der ersten U-Boote für das Freie Frankreich. Es war zudem das erfolgreichste Minenleger-U-Boot des gesamten 2. Weltkriegs. Nach dem Krieg diente es zunächst als Ausbildungs-U-Boot. Nach der Ausmusterung sollte es aufgrund seiner Verdienste nicht verschrottet werden. So versenkte es die französische Marine als Sonar-Übungsziel. Es steht aufrecht auf Sandgrund. Hyere5
Die Rubis

Beim Abstieg entlang der Führungsleine hebt es sich immer deutlicher vom hellen Untergrund ab. Zunächst nur schemenhaft als "Zigarre" erkennbar, wird es größer und größer. Aus der Ferne betrachtet, wirkt es vollkommen intakt, als könne es jederzeit wieder starten. Kommt man aber dann näher, erkennt man den nagenden Zahn der Zeit. Das Wrack ist übersichtlich, hat kaum Strömung und ist absolut sehenswert. Insbesondere der Blick von vorn auf den Bug sowie der Turmbereich lohnen sich. Die Luken am Rumpf sind geöffnet. Angeblich soll man mit abgelegten Tauchflaschen in Vorhalte von einer Luke zur anderen durchs U-Boot tauchen können. Ich kann jedoch nur davon abraten. Es ist drinnen schweine-eng und der Boden ist mit Schlamm bedeckt. Die Sicht dürfte sehr schnell gegen 0 gehen und die Gefahr des Hängenbleibens ist viel zu groß. Ich selbst hatte mich mit Kamera nur kopfüber durch die Luke gezwängt, um ein Foto vom Innenleben zu machen. Mein Tauchpartner hatte dies allerdings wohl missverstanden und versuchte mich an meinen Flossen wieder herauszuzerren. Nachdem ich das Foto im Kasten hatte, ließ ich ihn dann auch gewähren. War bequemer als sich selbst wieder herauszuprokeln.

"Togo": Das in England 1882 als "Ville de Valance" gebaute Schiff stellt den Wechsel zwischen 2 Epochen der Schifffahrt dar. Ganz aus Stahl gebaut sowie von einer Dampfmaschine angetrieben, besaß die "Togo" aber auch noch 3 Masten zum Segeln. Zuletzt als Kohlefrachter im Dienst lief sie nach dem Ende des 1. Weltkriegs am 12.05.1918 auf eine nicht geräumte Seemine. Nach dem Krieg total vergessen, wurde der Frachter erst 1977 zufällig wieder entdeckt. Da Fischer oft mit ihren Netzen hängen blieben, entschloss man sich die Ursache zu ermitteln und stieß auf das herrlich bewachsene Wrack der "Togo", die aufrecht auf dem Grund steht.
Der Bug mit dem vorderen Rumpf ist ca. 60m lang und liegt in 55m Tiefe, die höchsten Teile des Decks in immer noch 45m. Die "Togo" hinterlässt einen gewaltigen Eindruck.
Das ca. 10m lange Heckteil liegt weit vom Hauptschiff entfernt in über 60m Tiefe. Es ist mit Pressluft praktisch nicht erreichbar.
Tauchgänge an der "Togo" gelten aufgrund der Tiefe als äußerst schwierig.
Mehr kann ich dazu nicht sagen. An dem einzigen Tag, als die Tour zu dem Schiff ging, hatte ich verpennt. Aber genug Salz in diese Wunde.

Voraussetzungen vor Ort:
Hyère liegt in unmittelbarer Nähe zu Toulon. Dort befindet sich der französische Marinehafen fürs Mittelmeer. Für Notfälle steht dort eine 24-Stunden-Druckkammer zur Verfügung. Bei Hubschraubertransport ist man innerhalb von 30 Minuten in der Druckkammer.
Die Tauchschiffe werfen zu Beginn ein Grundgewicht ins Wrack. Das Tau wird am Wrack befestigt. Am Ende des Tauchgangs wird das Tau gelöst, das Gewicht per Hebeballon zur Wasseroberfläche gebracht und vom Schiff aufgenommen.
Um das Tauchschiff werden Taue mit Gewichten bis in 9m Tiefe herabgelassen. Dort befinden sich auch Automaten mit Luft, falls die eigene Luft für die Deko-Stops nicht reichen sollte. Die Automaten in 9 m Tiefe werden mit einem langen Schlauch aus dem Tauchboot heraus versorgt. Ein Austausch von Tauchflaschen erübrigt sich somit. Die "Odyssée" besitzt zudem im Heck eine hydraulisch unter Wasser absenkbare Plattform. Sie wurde speziell fürs Tauchen gebaut, hat auch bei schlechtem Wetter keinerlei Probleme und ist tierisch schnell. Alle Schiffe sind mit O²-Systemen für Notfälle ausgestattet.

Im September lag die Sprungschicht ideal in 40m Tiefe (darüber 22°C, darunter immer noch 17°C). Die Stärke der Strömung schwankte jedoch stark. Je nach Wind von 0 = Ententeich bis stark mit entsprechender Dünung sowie sogen. "Tigerkrallen" an den Wellenkämmen. Innerhalb eines Tages kann der Mistral die Verhältnisse total verändern. So musste beim 1. Tauchgang an der "Donator" eine Leine vom Einstieg zum Ankertau gelegt werden, damit das Tau überhaupt gegen die Strömung erreichbar war. Der Abstieg am Ankertau erwies sich dann als ein einziger Kampf. Die Ausatemluft wurde praktisch waagerecht weggetragen. Am Wrack konnte nur im Strömungsschatten des Rumpfes getaucht werden. Der Tauchgang wurde dann auch vorzeitig beendet, da der Tauchplan nicht mehr mit der Realität übereinstimmte (weniger Restdruck im Tank als laut Plan berechnet). Zwei Tage später hatte sich der Wind gedreht. Eine völlig veränderte Situation: absoluter Ententeich, freier Abstieg (!) möglich und das gesamte Gebiet ums Wrack als "Spielwiese", keinerlei Strömung. Gerade dieses macht die Wracktauchgänge in Hyère so spannend. Man weiß eigentlich nie genau, was kommt. Hier ist aber auch der Mut zur Aufgabe gefragt. Diese Ziele sind für erfahrene Taucher, die Risiken erkennen und einschätzen können.

Hyere6 Wer es ruhiger mag, dem sei Port Cros empfohlen.
Die Insel Port Cros liegt ca. 3 km vor der Küste. Die Gewässer darum sind ein Unterwasser-Nationalpark. Die Fahrzeit von Hyeres beträgt ca. 1,5 h. Es gibt einen kleinen Hafen, in dem man zwischen den Tauchgängen sehr gut Essen kann. Der wohl schönste Tauchplatz in diesem Gebiet ist "La Gabiniere", ein Felsen südlich der Insel. Da man hier nicht ankern darf, beginnt der Tauchgang meist auf einer Seite der Felswand und endet an der anderen, wo einen das Boot dann wieder aufnimmt.
Barracudas

Die reich mit Gorgonien bewachsene Felswand fällt bis auf eine Tiefe von ca. 42m ab. Die beste Tiefe für diesen Tauchgang ist 25-35 Meter. Man sieht hier zahlreiche Zackenbarsche, Muränen und Schwarmfische wie Barracudas, die Barracudas allerdings in max. 10m Tiefe. Obwohl auch hier öfter Strömungen auftreten, gilt dieser Tauchgang als nicht besonders schwierig, da man die Strömung meist bei diesem Tauchgang nutzen kann. Wichtig sind auch hier eine Deko-Boje und Kenntnisse im Strömungstauchen.
Der Zweite Tauchgang ist meistens ein Tauchgang bis zu 25m an einem Felsen in der Umgebung. Dieser wird nach den jeweiligen Wetter und Strömungsbedingungen ausgewählt, da man einen Sicherheits- bzw. Deko-Stop im freien Wasser machen muss.

Hyere7 Hyere8
Zackenbarsch Schriftbarsch



Rolf Iseler

   
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